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Internationales Onlinemarketing

Alles anders, alles gleich?
Onlinemarketing für fremdsprachige Shops:

Wer einen deutschsprachigen Onlineshop ins Internet stellt, verdient Geld. Wer darüber hinaus gleich noch eine Variante auf Französisch, Japanisch, Englisch, Chinesisch, Brasilianisch oder in einer weiteren Sprache ins Netz stellt, verdient noch viel mehr Geld. Wäre es nicht schön, wenn die Dinge so einfach werden? Leider sind die Dinge nicht so einfach. Die Umsätze eines deutschen Onlinehändlers können durchaus deutlich steigen, wenn er neben seinem deutschen Onlineshop einen zweiten in einer anderen Sprache betreibt. Allerdings darf er hier wie da nicht vergessen, dass vor allem Erfolg im Internet das Onlinemarketing steht. Und für den fremdsprachigen Onlineshop reicht es keineswegs aus, in Deutschland erprobte und bewährte Strategien unverändert zu übernehmen.

Dieselben Instrumente, andere Nutzung

Im Prinzip stehen dem Online-Händler für den Erfolg seines fremdsprachigen Onlineshops dieselben Instrumente zur Verfügung wie beim Onlinemarketing für den deutschsprachigen Shop. Er kann also etwa auf Suchmaschinenoptimierung (SEO), auf Werbemöglichkeiten der Suchmaschinenanbieter (SEM), Newsletter- und E-Mail-Marketing, Video-, Social Media- und Mobile-Marketing zurückgreifen. Geht man allerdings stärker ins Detail und beginnt aus all diesen Varianten eine Marketingstrategie zu mischen, zeigt sich schnell, dass die einfache Adaption der Strategie, die dem deutschsprachigen Onlineshop Erfolge bringt, für den fremdsprachigen Shop nicht funktioniert. Warum? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe!

Internetnutzung ist nicht gleich Internetnutzung

Wenn Deutsche im Internet etwas suchen, nutzen sie dafür Suchmaschinen! Das unterscheidet sie erst einmal nicht von den Bewohnern der meisten anderen Ländern. Interessant wird allerdings die Frage, welche Suchmaschine in den jeweiligen Ländern bevorzugt genutzt wird.

Wer etwa SEO- oder SEM-Marketing plant, um deutsche Zielgruppen zu erreichen, für den sind in den allermeisten Fällen alle anderen Suchmaschinen außer Google irrelevant. Google ist in Deutschland mit großem Abstand die Nummer 1 der Suchmaschinen. Google ist auch in der Schweiz dominierender Marktführer.

Sich mit SEO und SEM alleine auf Google zu konzentrieren, kann bereits in den USA die falsche Strategie sein. Auch dort ist Google deutlicher Marktführer, allerdings weitaus weniger deutlich als in Deutschland. Google kam im Mai 2011 laut einer Statistik des Unternehmens ComScore in den USA auf einen Marktanteil von 65,4 Prozent. Yahoo hatte 15,9 und Bing 14,1 Prozent.

Google vs. Yandex & Co.

In anderen Ländern hält Google gar keine Führungsposition. So führte etwa in Russland im Juni 2010 die Suchmaschine Yandex mit 68,3 Prozent. Im selben Monat dominierte die Suchmaschine Seznam mit 47,7 Prozent in Tschechien.

Das bedeutet: Um effektives SEO und SEM zu betreiben, muss man erst einmal schauen, mit welcher Maschine die jeweilige Zielgruppe im Land überhaupt sucht. Ähnliches gilt bei Social Media Plattformen und Social Media Marketing. Facebook ist der König in Deutschland. In China tummeln sich die meisten Menschen dagegen auf QQ, in Brasilien viele auf Orkut.

Die vielleicht wichtigste Frage: Wie nutzen die Menschen im jeweiligen Land das Internet? Die Art und Häufigkeit der Internetnutzung in den jeweiligen Ländern hat auch grundsätzlich Einfluss auf die Bedeutung der einzelnen Marketinginstrumente. Beispiele:

Social Media Marketing ist in Deutschland kein unwichtiges Onlinemarketing-Instrument, weil laut der Studie Wave4 des Unternehmens UniversalMcCann bereits 46,8 Prozent aller Deutschen ein Social Network – Profil angelegt haben. Möchte man mit einem Onlineshop eine brasilianische Zielgruppe erreichen, steigt die Bedeutung von Social Media Marketing, da dort bereits 69 Prozent der befragten Internetnutzer ein Social Media Profil besitzen.

Social Media und so …

Grundsätzlich bietet die oben erwähnte Studie auch die Möglichkeit, die Größe der potenziellen Zielgruppe festzulegen, die mit Onlinemarketing im jeweiligen Land erreicht werden kann. Dabei sind sowohl Prozentzahlen als auch absolute Zahlen wichtig. So sind laut der in der Studie Wave4 zitierten Prozentzahlen beispielsweise nur 7,1 Prozent aller erwachsenen Inder Internetnutzer. Da das Land aber sehr viele Einwohner hat, bilden diese 7,1 Prozent eine durchaus als Zielgruppe interessante Menge von 12,3 Millionen Menschen.

Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Nielsen surften im August 2010 dreizehn Prozent der deutschen Handynutzer mit ihrem Mobilfunkgerät mobil im Internet. In den USA waren es 27 Prozent und in China gar 38 Prozent. Mobile Marketing – Strategien dürften in diesen Ländern also potenziell mehr Erfolge bringen als in Deutschland.

All diese Zahlen bedeuten letztlich: Es ist wichtig, die Nutzergewohnheiten seiner neuen Zielgruppe möglichst genau kennen zu lernen, um auf der Basis eine effektive Marketingstrategie zu entwickeln.

Andere Länder, andere Kulturen

Auch Onlinemarketing für eine fremdsprachige Zielgruppe ist letztlich eine Variante interkultureller Kommunikation. Das bedeutet: Für eine gelungene Onlinemarketing-Kampagne wird man nicht umhin kommen, sich mit der Kultur des jeweiligen Ziellandes zu beschäftigen, um etwa Regeln und Tabus kennen zu lernen. Unterschiede können sich zum Beispiel beim Umgang mit Erotik in der Werbung zeigen: Was ist reizvoll? Was wird als übertrieben, vielleicht gar obszön empfunden? Unterschiedlich ist teils auch der Humor. Was sich im einen Land als witziger werbender Inhalt eines viral verbreiteten Videos eignet, provoziert im anderen Land eventuell großen Ärger. Hier kann Onlinemarketing durchaus von den teils bitteren Erfahrungen profitieren, die mit klassischen Werbekampagnen bereits gemacht wurden:

Als der US-Konzern Nike etwa den US-Basketballstar LeBron James in einem TV-Spot in China gegen Kung-Fu-Meister und Drachen antreten ließ, empfanden das viele Chinesen als beleidigende Aussage, der Westen triumphiere über Chinas Kultur.

Auch bei Onlinevideos gilt daher:
Drachen schlägt man nicht!

Über den Autor: Christian Arno ist Gründer und Geschäftsführer von Lingo24, dem Anbieter von Übersetzungsdienstleistungen und Spezialisten für Website-Lokalisierung.

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